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Winter, Juni - Juli twenty-ten, feel it, it was here (die Fußball WM)

Tja, während Deutschland geschwitzt hat, hatten wir hier gerade tiefsten Winter. Na ja, so tief nun auch wieder nicht, bei nur ab und zu mal einstellige Nachttemperaturen, Tagestemperaturen von 18 bis 28 Grad, sehr viel blauem Himmel und im Vergleich zum Sommer wenig Wind.  In einem Haus ohne Heizung und mit Fenstern durch die es durchzieht, bedeutete das aber abends dann doch mal einen Pulli oder eine Fleecedecke zu benutzen.

Im Büro war es teilweise richtig unangenehm kalt und es war nicht ungewöhnlich, dass Kollegen den ganzen Tag die Winterjacke angelassen haben. Und wer eine Pudelmütze während einer Sitzung trägt, fällt auch nicht besonders auf (außer mir vielleicht).

Da der Sommer (Hauptregenzeit) viel zu trocken war, freuen wir uns eigentlich momentan immer wenn es mal regnet. Das ganze Eastern Cape leidet unter massiver Wasser Knappheit. In Port Elizabeth gibt es schon scharfe Restriktionen für Pools, Garten gießen und Auto waschen und auch hier wurde beim Wasser ein Stufentarif mit deutlicher Preisverteuerung bei hohem Verbrauch eingeführt.

Auch wenn wir doch froh sind, dass die WM nun (erfolgreich) rum ist, war es natürlich schon etwas Besonderes während dieser Zeit hier im Land zu sein. Das Event war und ist einfach für diese Land wirklich unglaublich gross und der Impact auf das ganze Land aus der Außensicht sicherlich nur schwer erfassbar.

Als Einstimmung (schon laaaange vorher) auf die WM und dann auch während der 4 Wochen war freitags im ganzen Land „Football Friday“. Alle waren aufgefordert ihre WM Unterstützung durch Tragen von Fußballkleidung zu zeigen. Sogar die Nachrichtensprecher im Fernsehen hatten die gelben Bafana Shirts an. Überhaupt, die Medien: für die gab es schon seit Monaten im Wesentlichen nur das Thema WM und selbst in die Hauptnachrichten hat es kaum mehr ein anderes Thema geschafft.

Auch bei der Arbeit kamen freitags viele Leute (auch Führungskräfte) in Trikots. Und nachdem wir jeder von MBSA ein Bafana Shirt bekommen haben, war die Fabrik freitags sehr von gelb dominiert. Und wie im ganzen Land waren auch bei uns im Werk jede Menge Flaggen der Teilnehmernationen aufgehängt, in der Kantine gab es Länderspecials, es gab ein grosses Abteilungs-Fussballturnier (über mehrere Wochen), usw, etc.

Die Kleider(un)ordnung bei der Arbeit gefällt mir übrigens nach wie vor sehr gut. Bis rauf zum Werkleiter sind Jeans oder Arbeitshosen und die Company T-Shirts angesagt. Zumindest hier im Werk, in der Zentrale in Pretoria war ich noch nicht. So ist die tägliche Kleiderwahl auf die Farbe des T-Shirts beschränkt! Dagegen sieht die Jugend in den Schuluniformen vergleichsweise gut gekleidet aus, die Jungs i.d.R. mit weißen Hemden und mit Schlips, Mädels in (teils recht kurzen) Röcken, Blusen und ordentlichen Jacken.

Auch jetzt, einige Wochen nach der Abschlussfeier, ist die WM immer noch durchaus präsent. Es gibt immer noch Nachbetrachtungen und Analysen, und der Stolz, dass alles so gut geklappt hat, ist noch deutlich spürbar. Inzwischen gibt es aber auch kritische Fragen, wieso Regierung, Behörden, Polizei, Gerichte, Bau- und Busunternehmen nicht immer so effizient arbeiten können, wie während der 4 Wochen und in den Jahren der Vorbereitung.

Auch wenn der (Medien)Hype manchmal doch durchaus nervig war (wir gehören zu den wenigen Expats, die kein deutsches Fernsehen haben), war es andererseits natürlich schon ein „once in a livetime“ Event. Die Freude, die vielen Fahnen, die Mirrorsocks, das Getanze und natürlich die überall und immer zu hörenden Vuvuzelas waren durchaus beeindruckend. Vor allem vor den Bafana Spielen waren die Dinger auch bei der Arbeit, am Band und in der Kantine immer wieder zu hören (auch während der Arbeitszeit).

Andrea und ich waren mit sehr vielen (der noch ca. 25) Expats, fast allen deutschen Praktikanten (auch so um die 25) und vielen Kollegen bei dem Spiel Deutschland gegen Serbien in Port Elizabeth. Es war schon ein tolles Erlebnis (und bei 14 Euro pro Person auch nicht gerade teuer), aber da wir beide keine echte Fußball Fans sind, hat das dann auch gereicht. Viele Kollegen waren noch bei weitern Spielen, meist in PE, einige sind aber auch bis Durban, J´burg, Bloemfontain oder Kapstadt gefahren oder geflogen.

Was uns alle beeindruckt und begeistert hat, war die wirklich tolle Organisation. Da hat alles gestimmt, gute Ausschilderung, genug Busse, unglaublich viele nette Helfer, …. Wirklich klasse und sicherlich für viele in dieser Form nicht erwartet.

An East London (hier gab es ja keine Spiele und auch keine Mannschaft war hier) ist das ganze irgendwie vorbeigegangen, aber die Austragungsorte haben sicherlich auch dauerhaft stark profitiert. Die vielen Verbesserungen der Infrastruktur sind unübersehbar. Zum Beispiel wurden viele Busspuren neu eingerichtet und der Druck auf die Transportunternehmen hat zu einer deutlichen und dringend notwendigen Modernisierung der (Mini)Bus Flotten im ganzen Land geführt. Bleibt zu hoffen, dass die Stadien nicht zu „weissen Elefanten“ werden.

Übrigens haben viele Weiße zum ersten Mal in ihrem Leben überhaupt ein Fußballspiel (an)gesehen, denn Fußball ist eigentlich der Sport der Schwarzen. Für viele weiße Kollegen ist Soccer nur für Sissis (Weicheier), ein echter Kerl spielt (oder schaut) Rugby. Wieso bei jedem kleinen „Foul“ abgepfiffen wird und es dauern gelbe Karten für ein bisschen Rempelei gibt ist für viele nicht nachvollziehbar.

Die echte große Euphorie gab es natürlich nur bei den Bafana Spielen bzw. danach dann,  noch bei Ghana. Sonst waren in den (Sport)Bars und Kneipen nur noch kleine Gruppen der jeweiligen Fans und ein public viewing gab es in East London gar nicht. Wir haben einige der Deutschland Spiele mit ein paar deutschen Kollegen und Praktikanten zusammen in einer Bar, die mehrere Fernseher und 2 Leinwände hat, angeschaut.

Immerhin bin ich ein paar Mal mit deutscher Flagge am Rucksack zum Strand geradelt. Andrea fand das (natürlich?) eher peinlich, aber die Reaktionen darauf waren schon lustig und eigentlich nur positiv.

Sonst gab es eigentlich seit dem Mozambique Urlaub (im Mai mit Anne und Paddy) nichts besonderes mehr, normale Arbeits- und Alltagsroutine halt. Am Wochenende fahren wir oft per Rad zum Strand, ich paddle (zweimal in einer großen Delfingruppe!!) und Andrea genießt den Strand und liest. Ab und zu radeln wir eine kleine Runde und die üblichen ca. 2-mal pro Woche nach der Arbeit Strandspaziergänge machen wir auch noch. Andrea freut sich, dass bald das öffentliche Freibad nach der Winterpause wieder aufmacht.

Es gab noch 2 Expat Abschiede: Birgit, mit der sie viel geschwommen ist und Claudia, die mit ihr ins Krankenhaus gegangen ist, sind wieder zurück nach Deutschland. Aber inzwischen ist ihr Netzwerk hier groß und stabil genug, dass es sie bei weitem nicht mehr so trifft, wie wenn das vor einem Jahr passiert wäre.

Auch bei der Arbeit nichts Neues. Seit den Personalkürzungen letztes Jahr wie immer mehr als genug zu tun und durch die Bandbetreuung oft auch sehr viel Hektik. Aber dadurch, dass ich mich mit den Kollegen wirklich gut verstehe ist das schon o.k.

Für mich ist es ein echter Glücksfall, dass meine schwarze Kollegin Noni keinen Führerschein hat und ich sie daher fast jeden Tag nach der Arbeit heimbringe. Das ist jedes Mal eine kleine interkulturelle Lehrstunde. Sie ist eine dynamische technisch gut ausgebildete moderne junge Frau mit durchaus europäischen Einstellungen, aber in sehr vielen Beziehungen nach wie vor sehr stark in ihre ganz andere Welt der schwarzen Beziehungsgeflechte und Traditionen eingebunden. Ein sicherlich für sie sehr oft nicht leichter Balanceakt.

Trotz einiger Jahre BBBEE ist auch in der Wirtschaft noch ein deutliches Ungleichgewicht zu merken. Auch bei uns im Werk wird es immer weißer, je höher es die Hierarchie raufgeht und je anspruchsvoller die Aufgaben werden und bei meinen Lieferanten habe ich immer nur mit Weissen zu tun.

BBBEE (sprich tripple bi i i ) steht für broad based black economic empowerment und ist vereinfacht gesagt eine Art Quotenregelung, die die gesamte Wirtschaft massiv durchzieht. Ziel ist es überall und auf allen Ebenen Arbeitnehmer entsprechend ihrem Bevölkerungsanteil im Einsatz zu haben. Jedes Unternehmen wird bewertet und bekommt z.B. nur dann Subventionen oder darf an Ausschreibungen teilnehmen, wenn das rating hoch genug ist.   

Die Bewertung ist sehr vielschichtig und komplex und es fließen auch Geschlecht, Behinderung, Fortbildungsmassnahmen und Eigentumsverhältnisse mit ein. Ebenso spielt das rating aller unserer Lieferanten eine Rolle für die MBSA Gesamtbewertung. Dieses Punktesystem führt insbesondere bei Weißen oft zu Unmut. Ein gut qualifizierter Weißer hat eventuell das Nachsehen gegenüber einem deutlich schlechter ausgebildeten Schwarzen. Auch gibt es einige schwarze Frauen (diese bekommen die meisten „Punkte&ldquo die offiziell irgendwo in der Führungsriege eines Unternehmens sind, in Realität aber „freigestellt“ sind.

Dass zum Beispiel auch bei Tauchschulen und Life Guards eine solche (Schwarzen)Quote angestrebt wird, ist geradezu absurd. Traditionell sind Schwarze recht schlechte Schwimmer (und schon gar nicht im Meer) und sie betreiben diese Sportarten einfach nicht.

Dieses Jahr ist unser Werk voll ausgelastet und die Tagesstückzahl wurde von 200 auf 220 (in 2 Schichten) Autos (C Klasse für USA und SA) hochgefahren. Die Anfrage Kanada Fahrzeuge zu bauen musste aus Kapazitätsgründen abgelehnt werden. Wir hatten schon so einige Arbeits-Samstage und die ursprünglich zur WM geplanten Schließungen sind bis auf 2 halbe Tage bei Bafana Spielen komplett zurückgenommen worden.

Im Moment wird befürchtet, dass es im September in der Auto-Industrie zu Streiks kommen könnte, da Abschlüsse anstehen. Eigentlich wird hier immer gerade irgendwo gestreikt, das scheint dazuzugehören. Im Moment ist es aber bei uns noch eher lustig, 2-mal die Woche gibt’s in der Mittagspause Demos, mit, na was wohl? mit Tanz und lautem Gesang.

Und nun (Anfang August) sind Andreas Mutter, Schwester und Nichte für 2 Wochen zu Besuch bei uns und Anfang Sept. kommt dann Lea mit einer Freundin für knapp 4 Wochen her.

16.8.10 20:35
 


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