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Urlaub Frühsommer Sept 2010, WC, KZN, Moz, KNP, Swasi, Lesotho Teil 1

Nach ein paar Tagen East London für Lea und 2 Tagen zum Akklimatisieren für Rahel (eine Freundin von Lea) ging es mal wieder über die vieh- und leutereiche N2 Richtung Nordosten. Die Stecke nach Pt. St. Jones ist die einzige wirklich gut asphaltierte Stichstrasse zur Küste. Dieses kleine Fischerdorf hat wirklich ein tolle Lage und schöne Strände und ist der größte Küstenort der 250 km langen Transkei Küste (ca. 3.000 (schwarze) Einwohner)

Nicht weit von hier war unser erstes Ziel, Mbotyi, eine kleine Wild Coast Community in der es  einen schönen Campingplatz mitten im Dorf gibt. Wir haben uns zum Start erst mal den Comfort eines großen Rondavels gegönnt und da wir die einzigen dort waren, hatten wir alle sonstigen Facilities für uns. Morgens liefen jede Menge Kinder in Schuluniform vor dem Campingplatz vorbei und zum Frühstück gab es dann musikalische Untermalung aus Richtung Schule.

Die Highlights in der Gegend von Mbotyi sind diverse Wasserfälle, von denen einer (Waterfall Bluff) direkt ins Meer fällt. Die Fahrt dorthin ist auf den letzten km allerdings recht mühsam und nur für 4x4 geeignet. Im Vergleich zu den Fahrspuren zur Küste ist der Wanderweg zum Wasserfall problemlos zu finden und sogar markiert. Der Weg ist Teil des Mehrtages-Wild-Coast Walks der wirklich toll sein muss.

Vor der Weiterfahrt nach Mtunzini reichte die Zeit noch für einen Rundgang durchs Dorf, einen kleinen Strandspaziergang und ein kurzes Baden im Meer. Interessant anzusehen war eine Gruppe von Sangomas (Heilerinnen), die in malerischer traditioneller Kleidung um ein Feuer am Strand standen und sangen.

Mtunzini nördlich von Durban, hat ein kleines Coastal Nature Reserve (Umlalzi NR) mit einem schönen Campingplatz hinter der Düne. Von dort aus ging es erst auf einen fast 5 km langen Strandspaziergang und dann auf gutem Wanderweg entlang einer Lagune durch teils dichten Küstenwald und Mangrovengebüsch wieder zurück. Sehr schön und abwechslungsreich. Auch der nahe gelegene kleine „Palmenurwald“ war ansehenswert.

Im Umfolozi Nationalpark hatten wir eine Hütte im zaunlosen Mpila Camp bekommen. Wobei das mehr ein richtig großes Haus als eine Hütte war. Abends kam erst eine Hyäne und dann eine Gruppe Wildschweine zu Besuch. Den Damen war dann kurzzeitig das Wohnzimmer lieber als die Terrasse. Der Park ist mit dem Hluhluwe Park direkt verbunden und bekannt für seine vielen Nashörner. Von denen haben wir dann auch ein ganze Menge zu Gesicht bekommen, sowie auch viele Elefanten und eine ganze Menge andere Steppentiere.

Die Bushbaby Lodge kurz außerhalb des Parks hat uns auch beim zweiten Besuch wieder gut gefallen und wir haben uns wieder 2 der kleinen Hüttchen gegönnt. Rahel hat sogar den Pool genutzt und auf dem kleinen Wanderweg auf dem Grundstück haben wir Impalas gesehen, sowie Giraffen und Zebras auf der benachbarten Game Farm beobachtet.

Von hier war es nicht weit bis Sodwana Bay. Diese Gegend ist das bekannteste Tauchrevier in Südafrika und es gibt viele Unterkünfte aller Art und einige Tauchschulen. Der Campingplatz im Nationalpark ist einer der größten in Südafrika. Über 600 Zeltplätze verteilt auf einer riesigen und sehr unübersichtlichen Fläche. Auf den vielen tiefsandigen Strecken zwischen den Zeltplätzen kann man sich ganz ordentlich verfahren.

Es war überhaupt nichts los und so hatten die vielen Affen (zum Glück keine Paviane) nur wenige Camps auf die sie sich konzentrieren konnten. Unglaublich, wie frech die hier sind. Es reicht 2 Meter vom Tisch wegzugehen und sich umzudrehen und sie sind da und holen sich was. Sogar auf dem Außenspiegel saß einer während Lea bei der geöffneter Türe auf der anderen Seite stand. Aber glücklicherweise sind sie zwar sehr dreist, aber (noch ?) nicht aggressiv und lassen sich vertreiben bzw. merken auch, wenn es nix zu holen gibt. Wie schon in Dwesa bemerkt war es tatsächlich eindeutig zu sehen, dass die Viecher vor Männern mehr Respekt haben als vor Frauen !

Der Strand von Sodwana Bay ist zwar sehr schön, darf aber auf einem Kilometer von Autos befahren bzw. als Parkplatz benutzt werden, was das Gefühl von Ruhe dann doch ein wenig trübt. War jetzt nicht wirklich störend, da nix los war, aber in der Saison ist das sicherlich nicht sehr schön. Wir haben jedenfalls das warme Wasser, die Wellen und die Sonne bei einem ausgiebigen Strandtag genossen. Ehrlicherweise muß ich ja gestehen, dass ich den Kilometer Strandfahrt auch ausprobiert habe, obwohl ich eine Sperrung für wirklich sinnvoll halte.

Auf der Weiterfahrt Richtung Norden haben wir die langsame aber sehr schöne Strecke durch den Nationalpark genommen. Die Strecke führt in einer recht schmalen Sand“straße“ durch Wald entlang einer großen Süßwasserlagune (mit Krokodilen) und glücklicherweise hatten wir keinen Gegenverkehr. Auf der Einspurstrecke gibt es nur wenige Ausweichmöglichkeiten.

An dem sehr kleinen Grenzübergang Kosi Bay waren sowohl die südafrikanischen wie auch die mozambiquanischen Zöllner sehr freundlich und auch recht flott. Zum Glück mussten wir nicht die vor kurzem deutlich erhöhte Visumsgebühr bezahlen. Diese wird anscheinend im Moment nur bei Einreise über den Flughafen von Maputo oder wenn man per Schiff kommt erhoben. Die jetzigen 18 Euro sind ja akzeptabel, aber 80 Euro für ein paar Tage ist doch schon ein Wort. Auch die Autoeinfuhrgenehmigung war schnell erteilt und die Pflicht-Auto-Versicherung zügig abgeschlossen.

Bis zur Grenze kommt man auf wunderbarer Asphaltstrasse mit guter Ausschilderung und direkt hinter dem Zaun geht es dann in tiefen Sand. Der Pajero hat sich aber mal wieder wunderbar überall durchgewühlt und ich konnte die gesamte Strecke ohne Diff-Lock und ohne Ablassen von Luft aus den Reifen bewältigen. Wir waren recht froh über das Navi und häufig muss man sich schnell zwischen diversen Fahrspuren entscheiden.

Der Campingplatz in Ponta do Oura liegt zwar wunderschön direkt am Meer, aber die Sanitäranlagen und auch die sehr günstigen 2 Personen Chalets waren uns dann doch ein wenig zu heruntergekommen. Da sah das Kaya Kweru Backpackers doch schon deutlich besser aus. Von der Dachterrasse gab es einen schönen 360 Grad Rundblick und die 30 Meter Fußweg zum Strand waren auch noch akzeptabel.

Wieder wunderbar warmes Wasser und schöne Wellen, so dass es mit den geliehenen Bodyboards so richtig Spaß gemacht hat. Mit dem Zweier Kajak war es dafür ein wenig schwieriger. Mit Lea bin ich ganz gut rausgekommen, mit Rahel habe ich es leider nach 15 Min. Kampf mit den Wellen aufgeben müssen. Später hat es dann auch mit einiger Mühe mit Andrea noch geklappt und belohnt wurden wir mit einer (leider recht kurzen) Delfin Begegnung direkt neben dem Kajak.

Am 2ten Ruhetag sind wir trotz Ausschlafmöglichkeit früh aufgestanden, da Lea und Rahel um 7 Uhr bei einer „Ocean Safari“ (ca. 2 bis 3 Std Bootsfahrt zum Delfin watching und schnorcheln) mitfahren wollten. Obwohl andere Teilnehmer (insgesamt 6) schon einen Teil der Ausfahrtkosten bezahlt hatten, tauchte auch nach über einer Stunde warten niemand auf. Ein schwarzer Mozambiquaner kam zwar ein paar Mal vorbei um uns mitzuteilen, dass das Boot „gleich“ da sein wird, aber irgendwie war er da wohl nicht so richtig informiert.

So gabs also noch mal Strandtag und eine kurze (8 km) Sandstraßenfahrt zum Nachbar“ort“ Ponta Malongane. Dort gibt es eine sehr schöne (große) Campinganlage und einen endlosen traumhaften Strand komplett ohne Leute. An (langen) Wochenenden und in der Ferienzeit muss es in der ganzen Gegend aber wirklich hektisch zugehen. Für viele Südafrikaner ist dieser gut zu erreichende Teil von Mozambique eine Spielwiese für ihre Quads, Geländemotorräder und Yet Skies. Also all das, was in Südafrika glücklicherweise in den vergangenen Jahren doch etwas stärker reguliert wurde und wo hier noch keiner eingreift.

Nach diesen 2 Entspannungstagen stand wieder eine längere (zeitlich, nicht km-mäßig) Fahrt und ein früher Start auf dem Programm. Die ersten 100 Kilometer Richtung Norden (Maputo) sind schon wirklich sehr einsam und sehr langsam. Zunächst auf Sand, dann ein Stück auf einer stark verfallenen und löchrigen Asphaltstrecke und schließlich auf ganz passabler dirt road, fast ohne Autobegegnung und fast ohne Schilder. Auch das Navi zeigte uns mehrmals neben der „Strasse“ im nirgendwo fahrend. Bei solchen Stecken ist man doch froh, ohne Panne durchzukommen.

Am großen Grenzübergang Komatipoort begegnen uns zum ersten Mal die „runner“. Für ein paar Rand erledigen die wohl ganz schnell die Ausreiseformalitäten. Ein Kollege hat diesen Dienst schon in Anspruch genommen und es hat wohl tatsächlich prima geklappt. Wir wollten aber unsere Pässe aber nicht aus der Hand geben und waren daher eher etwas gestresst als fast ein duzend junge Männer neben dem Auto herrannten und an die Scheiben klopften um ihre Dienste anzubieten.

Der Zöllner vor dem Grenzhaus hat sie dann per Schlagstock wieder „zurückgeschickt“. Abgesehen von der komplett fehlenden Beschilderung und Info wo man denn hin muss, ging dann aber sowohl die Aus- wie auch die Einreise nach SA auch ohne Helfer völlig problemlos und zügig. Dass wir keinen Ausfuhr Steuer Bescheid für das Auto hatten, führte zunächst zu einer grimmigen Miene des Beamten. Ein freundlicher Mensch in der Schlange hinter uns fragte dann, wo wir denn eingereist seien und als wir antworteten in Punto de Oro gabs ein kurzes Schulterzucken und den nötige Stempel. Mal wieder TIA: „This is africa“ !

Nach einem großen Einkauf im gut sortierten Spar in Komatipoort schaffen wir es bis Mittags zum Crocodile Bridge Gate im Krüger NP und müssen dann „nur“ noch die 175 km bis zum Balule Camp fahren. Bei einer max. erlaubten Geschwindigkeit von 50 km/h und doch dem ein oder anderen (kurzen) Stopp wg. Tiersichtungen zieht sich das dann auch ganz ordentlich.

2.10.10 21:29


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Winter, Juni - Juli twenty-ten, feel it, it was here (die Fußball WM)

Tja, während Deutschland geschwitzt hat, hatten wir hier gerade tiefsten Winter. Na ja, so tief nun auch wieder nicht, bei nur ab und zu mal einstellige Nachttemperaturen, Tagestemperaturen von 18 bis 28 Grad, sehr viel blauem Himmel und im Vergleich zum Sommer wenig Wind.  In einem Haus ohne Heizung und mit Fenstern durch die es durchzieht, bedeutete das aber abends dann doch mal einen Pulli oder eine Fleecedecke zu benutzen.

Im Büro war es teilweise richtig unangenehm kalt und es war nicht ungewöhnlich, dass Kollegen den ganzen Tag die Winterjacke angelassen haben. Und wer eine Pudelmütze während einer Sitzung trägt, fällt auch nicht besonders auf (außer mir vielleicht).

Da der Sommer (Hauptregenzeit) viel zu trocken war, freuen wir uns eigentlich momentan immer wenn es mal regnet. Das ganze Eastern Cape leidet unter massiver Wasser Knappheit. In Port Elizabeth gibt es schon scharfe Restriktionen für Pools, Garten gießen und Auto waschen und auch hier wurde beim Wasser ein Stufentarif mit deutlicher Preisverteuerung bei hohem Verbrauch eingeführt.

Auch wenn wir doch froh sind, dass die WM nun (erfolgreich) rum ist, war es natürlich schon etwas Besonderes während dieser Zeit hier im Land zu sein. Das Event war und ist einfach für diese Land wirklich unglaublich gross und der Impact auf das ganze Land aus der Außensicht sicherlich nur schwer erfassbar.

Als Einstimmung (schon laaaange vorher) auf die WM und dann auch während der 4 Wochen war freitags im ganzen Land „Football Friday“. Alle waren aufgefordert ihre WM Unterstützung durch Tragen von Fußballkleidung zu zeigen. Sogar die Nachrichtensprecher im Fernsehen hatten die gelben Bafana Shirts an. Überhaupt, die Medien: für die gab es schon seit Monaten im Wesentlichen nur das Thema WM und selbst in die Hauptnachrichten hat es kaum mehr ein anderes Thema geschafft.

Auch bei der Arbeit kamen freitags viele Leute (auch Führungskräfte) in Trikots. Und nachdem wir jeder von MBSA ein Bafana Shirt bekommen haben, war die Fabrik freitags sehr von gelb dominiert. Und wie im ganzen Land waren auch bei uns im Werk jede Menge Flaggen der Teilnehmernationen aufgehängt, in der Kantine gab es Länderspecials, es gab ein grosses Abteilungs-Fussballturnier (über mehrere Wochen), usw, etc.

Die Kleider(un)ordnung bei der Arbeit gefällt mir übrigens nach wie vor sehr gut. Bis rauf zum Werkleiter sind Jeans oder Arbeitshosen und die Company T-Shirts angesagt. Zumindest hier im Werk, in der Zentrale in Pretoria war ich noch nicht. So ist die tägliche Kleiderwahl auf die Farbe des T-Shirts beschränkt! Dagegen sieht die Jugend in den Schuluniformen vergleichsweise gut gekleidet aus, die Jungs i.d.R. mit weißen Hemden und mit Schlips, Mädels in (teils recht kurzen) Röcken, Blusen und ordentlichen Jacken.

Auch jetzt, einige Wochen nach der Abschlussfeier, ist die WM immer noch durchaus präsent. Es gibt immer noch Nachbetrachtungen und Analysen, und der Stolz, dass alles so gut geklappt hat, ist noch deutlich spürbar. Inzwischen gibt es aber auch kritische Fragen, wieso Regierung, Behörden, Polizei, Gerichte, Bau- und Busunternehmen nicht immer so effizient arbeiten können, wie während der 4 Wochen und in den Jahren der Vorbereitung.

Auch wenn der (Medien)Hype manchmal doch durchaus nervig war (wir gehören zu den wenigen Expats, die kein deutsches Fernsehen haben), war es andererseits natürlich schon ein „once in a livetime“ Event. Die Freude, die vielen Fahnen, die Mirrorsocks, das Getanze und natürlich die überall und immer zu hörenden Vuvuzelas waren durchaus beeindruckend. Vor allem vor den Bafana Spielen waren die Dinger auch bei der Arbeit, am Band und in der Kantine immer wieder zu hören (auch während der Arbeitszeit).

Andrea und ich waren mit sehr vielen (der noch ca. 25) Expats, fast allen deutschen Praktikanten (auch so um die 25) und vielen Kollegen bei dem Spiel Deutschland gegen Serbien in Port Elizabeth. Es war schon ein tolles Erlebnis (und bei 14 Euro pro Person auch nicht gerade teuer), aber da wir beide keine echte Fußball Fans sind, hat das dann auch gereicht. Viele Kollegen waren noch bei weitern Spielen, meist in PE, einige sind aber auch bis Durban, J´burg, Bloemfontain oder Kapstadt gefahren oder geflogen.

Was uns alle beeindruckt und begeistert hat, war die wirklich tolle Organisation. Da hat alles gestimmt, gute Ausschilderung, genug Busse, unglaublich viele nette Helfer, …. Wirklich klasse und sicherlich für viele in dieser Form nicht erwartet.

An East London (hier gab es ja keine Spiele und auch keine Mannschaft war hier) ist das ganze irgendwie vorbeigegangen, aber die Austragungsorte haben sicherlich auch dauerhaft stark profitiert. Die vielen Verbesserungen der Infrastruktur sind unübersehbar. Zum Beispiel wurden viele Busspuren neu eingerichtet und der Druck auf die Transportunternehmen hat zu einer deutlichen und dringend notwendigen Modernisierung der (Mini)Bus Flotten im ganzen Land geführt. Bleibt zu hoffen, dass die Stadien nicht zu „weissen Elefanten“ werden.

Übrigens haben viele Weiße zum ersten Mal in ihrem Leben überhaupt ein Fußballspiel (an)gesehen, denn Fußball ist eigentlich der Sport der Schwarzen. Für viele weiße Kollegen ist Soccer nur für Sissis (Weicheier), ein echter Kerl spielt (oder schaut) Rugby. Wieso bei jedem kleinen „Foul“ abgepfiffen wird und es dauern gelbe Karten für ein bisschen Rempelei gibt ist für viele nicht nachvollziehbar.

Die echte große Euphorie gab es natürlich nur bei den Bafana Spielen bzw. danach dann,  noch bei Ghana. Sonst waren in den (Sport)Bars und Kneipen nur noch kleine Gruppen der jeweiligen Fans und ein public viewing gab es in East London gar nicht. Wir haben einige der Deutschland Spiele mit ein paar deutschen Kollegen und Praktikanten zusammen in einer Bar, die mehrere Fernseher und 2 Leinwände hat, angeschaut.

Immerhin bin ich ein paar Mal mit deutscher Flagge am Rucksack zum Strand geradelt. Andrea fand das (natürlich?) eher peinlich, aber die Reaktionen darauf waren schon lustig und eigentlich nur positiv.

Sonst gab es eigentlich seit dem Mozambique Urlaub (im Mai mit Anne und Paddy) nichts besonderes mehr, normale Arbeits- und Alltagsroutine halt. Am Wochenende fahren wir oft per Rad zum Strand, ich paddle (zweimal in einer großen Delfingruppe!!) und Andrea genießt den Strand und liest. Ab und zu radeln wir eine kleine Runde und die üblichen ca. 2-mal pro Woche nach der Arbeit Strandspaziergänge machen wir auch noch. Andrea freut sich, dass bald das öffentliche Freibad nach der Winterpause wieder aufmacht.

Es gab noch 2 Expat Abschiede: Birgit, mit der sie viel geschwommen ist und Claudia, die mit ihr ins Krankenhaus gegangen ist, sind wieder zurück nach Deutschland. Aber inzwischen ist ihr Netzwerk hier groß und stabil genug, dass es sie bei weitem nicht mehr so trifft, wie wenn das vor einem Jahr passiert wäre.

Auch bei der Arbeit nichts Neues. Seit den Personalkürzungen letztes Jahr wie immer mehr als genug zu tun und durch die Bandbetreuung oft auch sehr viel Hektik. Aber dadurch, dass ich mich mit den Kollegen wirklich gut verstehe ist das schon o.k.

Für mich ist es ein echter Glücksfall, dass meine schwarze Kollegin Noni keinen Führerschein hat und ich sie daher fast jeden Tag nach der Arbeit heimbringe. Das ist jedes Mal eine kleine interkulturelle Lehrstunde. Sie ist eine dynamische technisch gut ausgebildete moderne junge Frau mit durchaus europäischen Einstellungen, aber in sehr vielen Beziehungen nach wie vor sehr stark in ihre ganz andere Welt der schwarzen Beziehungsgeflechte und Traditionen eingebunden. Ein sicherlich für sie sehr oft nicht leichter Balanceakt.

Trotz einiger Jahre BBBEE ist auch in der Wirtschaft noch ein deutliches Ungleichgewicht zu merken. Auch bei uns im Werk wird es immer weißer, je höher es die Hierarchie raufgeht und je anspruchsvoller die Aufgaben werden und bei meinen Lieferanten habe ich immer nur mit Weissen zu tun.

BBBEE (sprich tripple bi i i ) steht für broad based black economic empowerment und ist vereinfacht gesagt eine Art Quotenregelung, die die gesamte Wirtschaft massiv durchzieht. Ziel ist es überall und auf allen Ebenen Arbeitnehmer entsprechend ihrem Bevölkerungsanteil im Einsatz zu haben. Jedes Unternehmen wird bewertet und bekommt z.B. nur dann Subventionen oder darf an Ausschreibungen teilnehmen, wenn das rating hoch genug ist.   

Die Bewertung ist sehr vielschichtig und komplex und es fließen auch Geschlecht, Behinderung, Fortbildungsmassnahmen und Eigentumsverhältnisse mit ein. Ebenso spielt das rating aller unserer Lieferanten eine Rolle für die MBSA Gesamtbewertung. Dieses Punktesystem führt insbesondere bei Weißen oft zu Unmut. Ein gut qualifizierter Weißer hat eventuell das Nachsehen gegenüber einem deutlich schlechter ausgebildeten Schwarzen. Auch gibt es einige schwarze Frauen (diese bekommen die meisten „Punkte&ldquo die offiziell irgendwo in der Führungsriege eines Unternehmens sind, in Realität aber „freigestellt“ sind.

Dass zum Beispiel auch bei Tauchschulen und Life Guards eine solche (Schwarzen)Quote angestrebt wird, ist geradezu absurd. Traditionell sind Schwarze recht schlechte Schwimmer (und schon gar nicht im Meer) und sie betreiben diese Sportarten einfach nicht.

Dieses Jahr ist unser Werk voll ausgelastet und die Tagesstückzahl wurde von 200 auf 220 (in 2 Schichten) Autos (C Klasse für USA und SA) hochgefahren. Die Anfrage Kanada Fahrzeuge zu bauen musste aus Kapazitätsgründen abgelehnt werden. Wir hatten schon so einige Arbeits-Samstage und die ursprünglich zur WM geplanten Schließungen sind bis auf 2 halbe Tage bei Bafana Spielen komplett zurückgenommen worden.

Im Moment wird befürchtet, dass es im September in der Auto-Industrie zu Streiks kommen könnte, da Abschlüsse anstehen. Eigentlich wird hier immer gerade irgendwo gestreikt, das scheint dazuzugehören. Im Moment ist es aber bei uns noch eher lustig, 2-mal die Woche gibt’s in der Mittagspause Demos, mit, na was wohl? mit Tanz und lautem Gesang.

Und nun (Anfang August) sind Andreas Mutter, Schwester und Nichte für 2 Wochen zu Besuch bei uns und Anfang Sept. kommt dann Lea mit einer Freundin für knapp 4 Wochen her.

16.8.10 20:35


Urlaub Spätherbst (Mai) 2010, Teil 2: Krüger, Blyde River, Drakensberge

Erstes Ziel im Krüger ist das recht neue Tsentse Camp. Es ist mit nur 30 Campingplätzen eines der kleinsten Camps im Park. Wir kriegen einen schönen Platz am Zaun und am Nachmittag finden sich dann auch tatsächlich 2 Elefanten zum „Abendessen“ dort ein. Dabei „unterhalten“ sie sich fleißig miteinander. Dieses tiefe Grollen ist ein faszinierendes Geräusch.

Die langsame Fahrt nach Satara mit vielen Stops an Wasserlöchern und Aussichtspunkten bringt viele Tiersichtungen. Die Gruppengröße bei den Zebras, Wildebiests, Impalas, Giraffen, Hippos und Krokodilen ist deutlich größer als in den anderen Parks in denen wir bisher waren.  Die vielen Elefanten die wir sehen sind allerdings mehr in kleinen Gruppen unterwegs. Auch viele Vögel gibt es zu bewundern. Aber immer wieder fährt man auch mal eine halbe Stunde ohne ein einziges Tier zu sehen.

Am nächsten Tag zeigt uns zunächst mal ein riesiger Elefantenbulle wer Vorfahrt im Park hat. Nach dem Motto „der Klügere gibt nach“ fahre ich fast 500 Meter rückwärts bevor der Riese die (Asphalt)Strasse freimacht. Und Anne darf auf einem kurvigen nicht asphaltierten Stück das Rückwärtsfahren üben. Hier möchte ein Giraffenbulle genug Abstand zu seiner Familie sicherstellen und geht sehr deutlich und gezielt auf unser Auto zu.

Im Camp Satara ergattern wir wieder einen Platz am Zaun. Von unserem Zelt aus sehen wir Gnus und Giraffen, sowie einen Elefanten und abends laufen die Hyänen fleißig auf und ab und hoffen auf Grillreste. Obwohl deutlich überteuert machen wir bei einem morning walk mit. Mit den beiden bewaffneten Rangern fahren wir um 5:30 Uhr (sternenklar und eiskalt) zunächst mit dem Game Drive Jeep fast 30 Minuten zum Startpunkt.

Leider (oder zum Glück ?) ist die Begegnung mit dem Nashorn nur sehr kurz. Wir haben es zu spät bemerkt und somit erschreckt und es nimmt schnell Reißaus. Tiere sehen wir sonst nicht sehr viele, aber die Atmosphäre zu Fuß ist doch insgesamt sehr viel schöner und direkter als im Auto. Die ungeheure Vielfalt der Vogelstimmen und der Sonnenaufgang sind schon sehr sehr schön.

Nach einem relaxten Tag im Camp und einem Nachmittagsdrive zu einem herrlichen Wasserloch treffen wir am nächsten Morgen dann doch endlich noch auf eine Gruppe von Löwen. Richtig klassisch sehen wir zunächst einige große Geier in einem Baum hocken und fangen an die Gegend abzusuchen.

Dann halten wir hinter einem Auto, sehen aber zunächst nur den halb vertilgten Körper eines Gnus und erst nach und nach entdecken wir 6 bis 8 Löwen, die mit vollgeschlagenen Bäuchen in der Nähe des Kadavers liegen. Obwohl die Tiere nur wenige Meter neben der Strasse liegen, sind sie im hohen Grass kaum zu sehen. Nach einer halben Stunde geben wir es dann auf. Außer ein paar Mal Kopf heben und sich von rechts nach links zu drehen tut sich nichts.

Kurz vor der Ausfahrt aus dem Krüger kommen wir noch an einigen größeren Büffelgruppen vorbei. Die Viecher sind wirklich sehr beeindruckend und die Hörner sehr respekteinflößend. Insgesamt hat sich der Besuch im Krüger doch gelohnt. Andrea und ich waren ja recht skeptisch, ob der Park nicht viel zu touristisch und zu erschlossen ist. Im Vergleich zu Botswana, Mozambique und Namibia sicherlich sehr „zahm“, aber für Europäer immer noch genug Gefühl von Weite und Leere, auch wenn man natürlich recht regelmäßig andere Autos sieht.

Die Vielfältigkeit Südafrikas zeigt sich nach dem Rausfahren mal wieder ganz schnell. In gerade mal einer halben Stunde Fahrzeit kommen wir von afrikanischer Savanne und Bush in sehr europäisch anmutende Bergwelt mit unendlichen Nadelholzaufforstungen. Nach Graskop geht es auf gewundener Strasse über 1.500 Höhenmeter hinauf.

Im Panoramic Rustcamp erfahren wir, dass an diesem Wochenende eine der größten Motorrad „Ralleys“ Südafrikas stattfindet und mehrere 1.000 Biker in dem kleinen Ort erwartet werden. Für diese Nacht bekommen wir aber noch ein nettes Chalet mit Blick ins tief unter uns liegende Tal. Zufälligerweise sind auch Lars und Birgit heute Nacht in Graskop und wir treffen uns abends noch im Ort auf ein Bier.

Den nächsten Tag verbringen wir dann an den vielen Halte- und Viewpoints der Panoramaroute am Blyde River Canyon. Angeblich soll dies der 3 größte Canyon der Welt sein und der einzige grüne Canyon dieser Größe. Die Lisbon und die Berlin Wasserfälle sind schön, aber nicht überwältigend. Die Auswaschungen der Bourke Potholes sind schon beeindruckender und wirklich toll sind die Tiefblicke am Ende des Canyons, zu den berühmten 3 Rondawells und auf den in der Tiefe liegenden Stausee.

Auf diesem tuckern wir dann am nächsten Morgen auf einem netten Flachboden Tour Boot fast 2 Stunden herum. Zu sehen gibt es ein Krokodil, ein paar Hippos, schöne Vögel und beeindruckende Canyonwände von unten. Der schwarze Bootsführer kennt sich recht gut aus und ist ein guter Unterhalter. Sehr interessant ist auch ein langes Gespräch mit dem (weissen) südafrikanischen Reiseleiter einer kleinen Gruppe von Jägern aus Ungarn.

Die Fahrt auf der anderen Seite und am Fuße des Canyons entlang ist ein krasser Gegensatz zur Panoramic Route. Man merkt gleich, dass dies mal ein (kleines) Homeland war. Stark zersiedelt, viele Leute und plötzlich viel Verkehr. Und bei der erneuten Durchfahrt von Graskop wiederum etwas völlig anderes: die Bike Ralley ist eine gigantische „Show off“ Party. Auf der Hauptstrasse heizen die funkelnden schweren Maschinen auf und ab und lassen sich von der Menge am Straßenrand (natürlich ohne Absperrgitter) bewundern.

Pilgrims Rest zeigt nochmals eine ganz andere Facette von Südafrika. Es ist ein kleiner touristischer Museumsort aus der Zeit der weißen Siedler Trecks in dessen alten Häusern aber noch Geschäfte und Restaurants existieren bzw. Leute wohnen. Recht nett anzuschauen, aber mehr als 2 Stunden braucht man hier nicht einzuplanen.

Die fast 600km zum Royal Natal Nationalpark in den nördlichen Drakensbergen legen wir zum großen Teil im Regen zurück. Rechtzeitig vor der Ankunft im Amphi-Backpackers hört es aber wieder auf, so dass Anne und Paddy ihr Zelt trockenen können. Bei Null Grad nachts wird es schon richtiges Wintercamping ! Andrea und ich leisten uns wenige Meter vom Zelt entfernt ein schönes de-lux double room, mit Bad und kleiner Kochzeile. Und sogar mit einer Heizung, die wir aber nicht benutzen.

Die Wanderung in die Tugela Schlucht, auf die wir noch Caroline aus Kanada mitnehmen, ist bei herrlichem Wetter auch beim zweiten Mal wieder schön. Allerdings ist jetzt viel weniger Wasser in der Schlucht als Weihnachten 2008 und den angeblich 2 höchsten Wasserfall der Welt gibt es zur Zeit leider gar nicht.

Die mit 720 km längste Etappe des Urlaubs zieht sich dank zum Teil recht kurviger Strecke ganz schön. Insbesondere die letzten 60 km von der N2 zur Küste der Transkei brauchen wieder sehr viel Zeit. Wenn man hier mal 60 km/h fährt, hat man das Gefühl, dass das Auto gleich auseinanderfällt. Die Straßen hier sind wirklich übel. Und die Kühe extrem relaxed und der festen Überzeugung, dass die Straße ihnen gehört. Auch Hupen und Paddy Geschrei stört sie nur wenig. Es gibt inzwischen massive Beschwerden der (wenigen) Hotels und Guest Houses an der Küste, dass wg. der Straßenverhältnisse keine Besucher (mehr) kommen.

Das Dwesa Nature Reserve entschädigt aber durchaus für die anstrengende Anfahrt. Wunderschöner natürlicher Wald, ein schöner Fluss und wie überall an der Wild Coast die Abwechslung zwischen tollem Strand und Klippenküste. Es gibt einen sehr schönen Campingplatz und ein paar einfache Chalets.

Wir sind die einzigen Zelter und das Paar, welches in einem der Chalets wohnt, bekommen wir kaum zu Gesicht. Wir genießen es, dass es deutlich wärmer ist als in den Drakensbergen und freuen uns über das viele trockene Holz für ein richtig schönes großes Feuer. Da es im ganzen Camp (noch nicht mal im Sanitärhaus) Strom gibt sehen wir einen herrlichen Sternenhimmel.

Die vielen kleinen und hübschen Vervet Affen sind zwar recht frech und man darf nichts Essbares auch nur wenige Sekunden unbewacht lassen, aber sie halten immerhin noch ein paar Meter Abstand. Vor unserer Steinschleuder haben sie eindeutig Respekt und es stimmt wohl tatsächlich, dass sie vor Männern mehr Angst haben als vor Frauen. Aber den Kleinen beim Toben zuzuschauen entschädigt durchaus für den „Nerv-Faktor“.

Da man nicht alleine in den Wäldern hier rumlaufen darf, gehen wir mit Vuyani auf eine geführte Tour. Er ist aus dem Dorf direkt bei dem Nature Reserve. Er kennt sich tatsächlich gut aus und kann eine ganze Menge zu den Tieren und Pflanzen hier erzählen. Noch spannender ist es aber, endlich so einiges über das ländliche Leben der Schwarzen hier in der Transkei zu erfahren. Sein Englisch ist nicht schlecht und er antwortet recht bereitwillig auf unsere vielen Fragen.

Dank der nur noch 200 km (aber über 3 Std. Fahrzeit) nach East London, können wir den letzten Urlaubstag zum relaxen, für einen langen Strandspaziergang, noch mal baden im Meer, trocknen der Zelte und einem Picknick Lunch mit Meerblick nutzen.

Nach insgesamt 5500 km sind wir dann am Donnerstag abend, gerade zum Einbruch der Dunkelheit wieder zu Hause. Ich gehe gleich am Freitag wieder arbeiten (muss ja Tage für den nächsten Urlaub sparen) und das letzte Wochenende mit Anne und Paddy geht auch viel zu schnell rum. Am Montag Mittag fliegen sie wieder zurück und Anne darf sich dann gleich  in den Stress der Batchelor Arbeit stürzen, bevor die beiden dann im July für 2 Semester nach Norwegen gehen.

Und für uns gilt für die nächsten 4 Wochen: “feel it, it is here”, finaly it´s worldcup time !

19.6.10 11:42


Urlaub Spätherbst (Mai) 2010, Mozambique, Krüger u.a, Teil 1: Moz

Nachdem Anne und Paddy ein paar Tage Zeit zum Akklimatisieren hatten, ging es gleich mal mit einer langen Fahretappe los. Mal wieder über die kurvige, hügelige und stark belebte (Autos, Leute, Vieh) N2 durch die Transkei. Und auch zum x-ten Mal faszinieren die Städte Butterworth, Mthatha und Mt. Frere durch den Eindruck von „echtem“ „schwarzem“ Afrika.

                             

Sofort nach der „Grenze“ zu Kwa-Zulu-Natal wird die Strasse deutlich leerer und ist durchaus autobahnähnlich (und kostet Maut). Trotzdem sind die insgesamt 650 km bis Umkomaas (etwas südlich von Durban) für den ersten Tag mal genug. Auf der Tauchbasis „Blue Vision“ nehmen wir uns 2 Backpacker Zimmer mit Seeblick.

 

Von hier sind es am nächsten Morgen nur ein paar Schritte zur „Kitting Area“ für den gebuchten Tauchgang. Die Materialausgabe ist etwas chaotisch, aber unsere Tauch-Instruktorin Lisel ist sehr nett und der ältere Herr, der uns als Dive Master begleitet macht auch einen kompetenten Eindruck und hilft noch bei der Einstellung und Überprüfung des Materials.

 

Die Fahrt mit dem Schnellboot über die Brandung hinaus zur Tauchstelle macht wieder viel Spaß. Erst mal unter Wasser, legt sich die leichte Nervosität dann doch recht schnell. Dies ist ja unser erster Tauchgang nach dem Kurs im Sept. 09 bzw. für Paddy das erste mal Tauchen im Meer. Wir genießen und bestaunen die vielen bunten Fische und Korallen und freuen uns, dass wir keine Lehrgangsübungen mehr machen müssen.

 

Für den eigentlich geplanten 2ten Tauchgang wird es zeitlich doch etwas knapp, da wir noch so nah wie möglich an die Grenze von Swasiland fahren wollen. Wir finden eine wunderbare kleine Campinganlage (Bushbaby Camp and Lodge) mit netten Cottages und sparen uns das Zeltaufstellen. Als es schon dunkel ist, kommen dann auch Birgit und Lars noch an. Sie sind heute von EL aus bis hierher durchgefahren.

 

Die Grenze zum Swasiland ist am nächsten Morgen schnell erreicht und der Grenzposten eine Überraschung. Auf südafrikanischer Seite alles nagelneu und noch nicht mal ganz fertig. Helle, saubere und ordentliche Räume, neue Computer, freundliches Personal und die Ausreise ist schnell und problemlos erledigt. Das sind so die positiven Seiten der WM für dieses Land.

 

Der Swasi Grenzposten hat sichtlich nicht von der WM profitiert, aber auch hier dauert es nicht lange, bis wir den nötigen Stempel im Pass haben und ein paar Rand Straßenbenützungsgebühr bezahlt haben. Nach nur 2 Stunden Fahrzeit verlassen wir dann auch schon wieder dieses kleine Königreich und kommen nun an der mocambiquanischen Grenze in den Genuss einer Grenze wie man sie sich für Afrika wohl so vorstellt.

 

Grenzer mit versteinerten Minen, große aber total gammelige Gebäude, viele Listen, uralte Computer und dann noch ein paar Leute die einem eine Autoversicherung (ist Pflicht) verkaufen wollen. Aber angenehmerweise ist dies ein sehr kleiner Grenzübergang und außer uns ist nur noch eine Reisegruppe des Rechnungshofs von Swasiland hier. Trotzdem dauert es fast eine Stunde, bis unsere 6 Pässe das Visum haben und wir die Gebühren für Visum, Straßenbenutzung und Autoversicherung bezahlt haben.

 

Da wir noch genug Zeit haben, beschließen wir doch noch ein kleine „Sightseeingrunde“ durch Maputo (Hauptstadt und um die 2 Mio Einwohner) zu drehen. Prinzipiell keine sehr sehenswerte oder attraktive Großstadt, aber das Leben und Treiben, das Gewusel, die unendliche vielen Leute auf der Strasse, die Händler, das Chaos und die überladenen Autos anzuschauen lohnt sich auf jeden Fall.

Im Gegensatz dazu ist das Blue Anchor Inn, ca. 50 km außerhalb der Stadt, schon fast europäischer Standard. Grosse saubere Cottages in einer sehr schönen riesigen Gartenanlage, mit Pool und guten Restaurant.

 

Die Stecke nach Inhambane überrascht mit extrem unterschiedlichen Straßenqualitäten. Es gibt supergute Teilstücke, an die sich dann plötzlich völlig schlaglochübersääte Abschnitte anschließen. An solchen Abschnitten fährt man teilweise besser neben, als auf der Strasse. Und lange Abschnitte sind Baustelle (überwiegend von Chinesen betrieben), so dass in nicht allzu ferner Zukunft diese größte nationale Küstenstrasse sicherlich gut zu befahren sein wird und dann sicherlich auch verstärkt Touristen aus Südafrika anziehen wird.

 

Beeindruckend sind auch hier mal wieder die vielen Leute (aber vergleichsweise wenig Vieh) an der Straße. Auf den gesamten 450 km bis Inhambane sind rechts und links der Strecke Palmhütten im Palmenwald zu sehen bzw. teilweise nur zu erahnen. Da das Land ja ganz wenig Infrastruktur hat und an vielen Stellen noch Bereiche wg. Landminen unzugänglich sind, ist es wohl am sichersten und bequemsten entlang einer guten Strasse zu wohnen.

 

Die Barra Lodge ist ein Ressort, welches ein echtes Karibik Feeling vermittelt. Inmitten von Kokospalmen und tiefem Sand, das Restaurant auf Stelzen, direkt am Strand mit türkisblauem angenehm warmen Wasser, das Cottage ein riesiges Haus im lokalen Baustiel (fast alles aus Palmbestandteilen und Schilf). Und dank Nebensaison recht günstig und sehr ruhig, höchstens 20% der Bungalows sind besetzt. Und dank Frühwinter mit nur wenigen (potentiell Malaria übertragenden) Moskitos.

 

Wir genießen das warme Meerwasser und die tollen Wellen ausgiebig und melden uns abends für 2 Tauchgänge an. Und werden am nächsten Morgen sehr positiv überrascht. Für jeden von uns hängen die Sachen (Neoprenanzug, Maske, Flossen, Weste, Flaschen, … säuberlich bereit. Die ganze Atmosphäre ist superfreundlich und sehr professionell. So werden es dann 2 sehr schöne Tauchgänge mit recht kurzer Bootsanfahrt und toller Sicht unter Wasser.

 

Unser nächstes Ziel und gleichzeitig der nördlichste Punkt des Urlaubs ist Vilanculo, ein kleiner Fischerort (aber mit einiger Touristen Infrastruktur) beim Bazeruto Marine National Park. Die letzten 8 km gehen durch stellenweise richtig tiefen Sand, so dass der Allrad doch endlich mal etwas zu tun bekommt.

 

Unser Cottage im Archipelago Ressort ist ein riesiges Haus mit großer Veranda mit direktem freiem Blick aufs Meer. Allerdings gibt es hier keine Wellen, da Vilanculo in einer geschützten Bucht, umgeben von vorgelagerten Inseln liegt.

 

Es gibt eine Tauchbasis direkt im Ressort (betrieben von einem Ehepaar aus Zimbabwe) und so fahren wir am nächsten Morgen raus auf Bazerutu Island. Die Fahrt im schnellen „Schlauchboot“ dauert eine Stunde. Auf der Insel werden die Schnorchler Birgit und Lars abgesetzt (mit einem schwarzen Helfer) und wir Taucher fahren weiter zum Riff raus.

 

Dort absolvieren wir 2 herrliche Tauchgänge. Super Sicht, schöne Korallen und viel viel Leben unter Wasser. Da wir zwischen den 2 Tauchgängen im Boot bleiben, wird Anne wieder mal seekrank, aber glücklicherweise kann sie den 2ten Tauchgang trotzdem mitmachen.

 

Dann geht´s zurück zur Insel, es gibt ein kleines Lunchpaket und nun sind die Schnorchler an der Reihe und werden zum Riff gefahren. Paddy und ich fahren noch mal mit raus und auch ohne Flaschen gibt es hier richtig viel zu sehen.

 

Den nächsten Tag beginnen wir als Strandtag, mit viel schwimmen, lesen und beobachten der lokalen Fischer, die mit einer Dhau (typisches Segelboot in dieser Gegend) direkt vor unserer Nase fischen. Außer einem Paar (EUler die als Expats in Zimbabwe arbeiten und für ein paar Urlaubstage hier sind) mit kleinem Kind sind keine Touristen am Strand.

 

Nachmittags fahren wir nach Vilanculo rein, gehen auf einen Markt und laufen einfach ein wenig durch den kleinen Ort um die Atmosphäre auf uns wirken zu lassen. Wir sind positiv überrascht: während wir rumlaufen werden wir weder angebettelt noch groß angesprochen, nur direkt beim Ein- und Aussteigen am Auto versuchen einige Leute uns Sachen zu verkaufen.

 

Da uns Inhambane so gut gefallen hat, bleiben wir auf dem Weg zurück nochmals 2 Nächte dort, aber an einem anderen Strand, in einem anderen Ressort. Diesmal mit noch besserem Meerblick (erhöht auf der Düne direkt über dem Strand) und wieder in einem riesigen Cottage. Auch hier sind die letzten Km Anfahrt im tiefen Sand nur für 4x4 geeignet.

 

Unterwegs erwischt es Birgit und Lars dann doch in einer der unglaublich vielen Polizeikontrollen. Obwohl wir uns im Vergleich zu Südafrika deutlich genauer an Geschwindigkeitsbegrenzungen halten, sind sie angeblich 80 in einer 60er Zone gefahren.

 

Die Tauchbasis hier hat wieder viele junge Divemaster, die durch die Welt ziehen und in den verschieden Tauchrevieren der Welt ein paar Monate oder Jahre arbeiten. Aber alle sind wieder sehr freundlich und kompetent und bei den 2 Tauchgängen werden wir (auch dank Nebensaison) wieder supergut und zeitintensiv betreut.

 

Leider gibt es an dem Tag so einige Gewitter und sehr heftige Schauer (sehr ungewöhnlich für die Jahreszeit), so dass mein Surfpaddel Versuch etwas kürzer wird als geplant und auch unser Schnorcheln vom Strand (in einem Nachbarressort) mit Birgit und Lars dank Blitz und Donner recht rapide abgebrochen wird.

 

Die Abkürzung die wir am nächsten Tag in Richtung Limpopo Nationalpark / Grenze nach Südafrika nehmen ist echt interessant. Sobald man die Küstenstrasse verlässt, gibt es nur noch Lehm- und Sandstrassen. Da es vorher so viel geregnet hat, ist es in unserem Fall dann eher eine Schlammstrasse. Für 4x4s keine Herausforderung, aber die Durchschnittsgeschwindigkeit sinkt doch drastisch.

 

Unterwegs kommen wir durch ein paar kleine Orte und Ansiedlungen, die mal richtig prächtig gewesen sein müssen. Zum Teil sind große Alleen noch erkennbar, die Strassen waren breit, es gab Parks und riesige Herrenhäuser. Nach Weggang / Flucht der Portugiesen ist all das mehr oder weniger verfallen und heute sieht man hier nicht selten neben einer Bauruine einige Palmhütten stehen.

 

Das Camp direkt hinter dem Parkeingang zum Limpopo NP (der zusammen mit dem Krüger NP eines der 3 großen südafrikanischen Transfrontier Peace Park Projekte bildet) ist erst wenige Jahre alt und wir nehmen uns 3 der recht schönen 2er Chalets.

 

Ohne Tiersichtungen sind die 80 km auf z.T. etwas rütteliger Piste im Park am nächsten Tag zügig zu fahren und am nagelneuen Mini-Grenzübergang Gyriondo (direkt in den Krüger NP) ist die Rückkehr nach Südafrika schnell erledigt. Hier endet dann also der Mozambique Teil des Urlaubs und auch von Birgit und Lars trennen wir uns. Die beiden müssen am Sonntag wieder in EL sein und wir haben noch 4 Tage mehr Zeit.

 

 

9.6.10 22:10


Das erste Quartal twenty ten

Nach dem Weihnachtsurlaub „durfte“ ich gleich am 5.1. zu einem Lieferantenbesuch nach J´burg fliegen. Schön war, dass es dort mit einem Treffen mit Ralf geklappt hat. Er hat mir eine schöne Strasse im Stadtzentrum gezeigt, in der es fast ein europäisches feeling gab: viele Straßencafes, Restaurants mit Außenbereich und mal richtig viele (auch weiße) Fußgänger unterwegs.

Insgesamt habe ich im ersten Quartal viel gearbeitet. Andrea kennt inzwischen echt viele Leute und ist mit der (ehrenamtlichen) Arbeit bei CHOC (Childhood Cancer Foundation) recht gut ausgelastet. Das Nähen mit den Müttern der krebskranken Kinder macht ihr viel Spaß und sie ist immer auf der Suche nach neuen Schnitten, die sie den Frauen dann beibringt.

Im Sommer gibt es hier fast an jedem Wochenende ein größeres sportliches Mitmach-Event. Die Sportarten sind allerdings stark auf Laufen / Walken, Rad (Strasse / MTB) und Schwimmen, sowie Kombinationen davon konzentrieren. Dafür werden dann alle möglichen Distanzen und Varianten angeboten.

Den großen Halb-Ironman wollten Olaf (Radfahren), Uwe (Laufen) und ich (Schwimmen) als Staffel mitmachen, aber leider waren wir zu spät mit der Anmeldung. Die Teilnehmerzahl ist auf 2.500 beschränkt, da nicht mehr Räder in die Wechselzone passen.

Bei der Surfers Challenge hatten wir beide ja schon letztes Jahr mitgemacht:  Insgesamt 17 km, zunächst ca. 6 über kieseligen und felsigen Strand, dann ca. 5 km durch einen Ort danach noch mal 6 km Sandstrand und dazwischen noch 2 Flüsse zu durchschwimmen. Ich bin gelaufen und Andrea ist mit einer Expat Freundin gewalked und wir haben uns alle unser T-Shirt ehrlich verdient.

Mit Sigrun hatte Andrea am Wochenende vorher „zum Training“ auch schon den Tomato Trott mitgemacht, 15 heisse und staubig km auf Farmwegen.

Zwei Wochen später gab es dann das Daily-Dispatch 100 km Radrennen. Auf einer in beide Fahrtrichtungen auf fast 50 km gesperrten Autobahn Rad zu fahren hat (wieder) richtig Spaß gemacht. Und so ein (Fun)Rennen ist doch etwas ganz anderes als alleine oder in einer kleinen Gruppe zu radeln
Zu dem Zeitpunkt war Andrea schon in Deutschland und ihre „Wetterberichte“ klangen nicht gerade toll. Februar und März sind hier echt schöne Monate, der Pool angenehm warm, die Nächte schon nicht mehr ganz so heiß wie im Dezember und Januar und die Tage auch noch halbwegs lang.
Leider hat es im Sommer, der ja hier die nasse Jahreszeit ist, viel zu wenig geregnet. Die Dämme im Eastern Cape sind zum Teil nur noch zu 40 bis 50% voll und man darf keine Autos mehr waschen und den Garten nur noch mit Gießkanne wässern. Und ab ca. Ende April beginnt dann das überwiegend trockene Winterhalbjahr.
Mit unserer Mietvertragsverlängerung für das Haus war es ein wenig hin und her. Andrea hat halbherzig nach etwas anderem gesucht, aber das einzige Haus mit Meerblick, welches sie angeschauen konnte, war leider echt gammelig. So werden wir das nächste Jahr in unserem nicht so modernen aber doch gemütlichen Ohne-Meerblick-Häuschen bleiben (aber dafür ist unser Garten sehr schön).
Anfang März bin ich dann (das erste Mal nach 20 Monaten) für 2,5 Wochen nach Deutschland geflogen und habe zunächst gleich mal einen sehr schönen Tag bei und mit Anne in Darmstadt verbracht.
Auf der Weiterfahrt ist mir am Bahnhof sehr stark aufgefallen, wie grau und dunkel die Mode in Deutschland ist, das ist ja wirklich trist, Buntes ist kaum zu sehen.  Außerdem ist es trotz der vielen Menschen die sich auf einem Bahnhof oder im Zug befinden unglaublich leise. Das sind wir hier gar nicht mehr gewöhnt, überall wo viele Schwarze sind ist es immer sehr sehr laut, lebhaft und fröhlich.

Die nicht vorhandenen Mauern lassen alles in Deutschand deutlich offener erscheinen, obwohl die Bebauung ja sehr viel dichter ist als hier. Und überall stehen Autos herum. Wahnsinn. In hiesigen Wohngebieten sieht man so gut wie keine Autos, die stehen alle auf den Grundstücken, hinter der Mauer. Und auch wieder der Farbgegensatz, dunkle Autos in D, weisse, silberne und helle in SA.


Andrea war 1,5 Wochen vorher geflogen und hatte schon ein paar Tage Skifahren mit Susanne Brick in der Schweiz, ein Fortbildungswochenende und so einige Besuche bei Familie und Freunden hinter sich.

Ich habe fast die ganze Zeit gearbeitet und hatte viele Termine in Stuttgart, Sindelfingen, Böblingen, Rastatt, Wörth und einen auch in Erkrath, bei Düsseldorf. Der Termin in Erkrath hatte aber den netten Vorteil, dass Anne mich begleitet hat und wir bei meinen Eltern übernachten konnten, weil es von dort nur 15 Minuten zu dem Lieferanten war.
Den Verkehr auf der A8 fand ich ja schon immer schlimm, aber jetzt fand ich es wirklich erschreckend: 3 Spuren die sich mit mehr als 100 km/h bewegen gibt es hier im Eastern Cape nicht. Und auch die Automengen in der Umgebung von Köln sind gigantisch und fast schon furchterregend.
Damit Andrea nicht langweilig wird, hat sie die Renovierung unserer beiden kleinen Bäder organisiert und fast 2 Wochen lang täglich Handwerker und entsprechend viel Dreck im Haus gehabt. Steuer- und sonstiger Papierkram stand leider auch noch recht weit oben auf der To-Do Liste.
Das Voos-Familien-Wochenende in Gengenbach, im Nagoldtal, war sehr schön und auch mit der Scholz Familie gab es natürlich ein paar Treffen. Sehr genossen haben wir die diversen Frühstücke, Kaffees (Andrea) und Abende mit Freunden Leider war die Zeit doch zu kurz war und manches Treffen ist gar nicht zustande gekommen.
Der Rückflug war problemlos, aber mit dem lange Aufenthalt in Johannesburg dauert es halt doch gut 21 Stunden von Haus zu Haus und das ist dann doch recht ermüdend. Vor allem wenn es dann am nächsten Tag bei der Arbeit gleich stressig weitergeht.
Hier gab es gleich eine Expat Abschiedsparty und ich musste mich mal wieder um das Aufpolieren und Reparieren meines Autos kümmern, da ich schon wieder einen neuen Pajero bekommen habe (wir müssen ja spätestens alle 6, manchmal sogar noch früher die Autos tauschen, echt nervig)
Tja, und inzwischen ist Ostern auch schon wieder rum. Freitag und Montag sind hier auch Feiertage, aber trotzdem sind, wie auch Sonntags, eine ganze Menge Geschäfte offen.

Wir haben ein paar ruhige Tage zu Hause genossen. Freitag und Samstag war super Strand und Radel Wetter und ich hatte meinen letzten Life Saver Dienst für diese Saison. Sonntag und Montag war es recht wechselhaft mit viel Regen (unbedingt dringend nötig, aber warum am Feiertag ?). Der Oster-Sonntags-Kaffee bei Familie Straub und deren Besuch aus Deutschland war wirklich sehr nett.


Für Aufregung sorgt hierzulande momentan ein Mord am Ostersamstag: ET (Eugene Terre-Blanche) war der Anführer der kleinen radikalen AWB (Afrikander Weerstandsbeweging), die aktiv für die Beibehaltung der Apartheit gekämpft hatte und nun Gebiete nur für Weisse propagiert. Er wurde von 2 seiner Farmarbeiter im Bett erschlagen.

Leider unternimmt aber auch die ANC Führung und Präsident Zuma nicht viel, um ihren radikalen und rassistischen Youth-League Führer Julius Malema zu stoppen. Der singt seit Wochen auf allen möglichen Veranstaltungen Anti-Apartheits Kampflieder in denen u.a. Zeilen wie „tötet die Bauern / Buren“ vorkommen. Und dies, obwohl ihm das schon von 2 Gerichten verboten wurde.
Solche Schlagzeilen so kurz vor der WM sind für viele Südafrikaner doch recht frustrierend. Denn da sind sich doch die meisten einig: auch die, die nicht an Fussball interessiert sind, wollen zur WM ein gutes Bild in der Welt abgeben.

In den Medien wird unglaublich viel WM Werbung gemacht, freitags soll man Bafana Bafana (Name der SA Fussballmannschaft) Trikos tragen (auch bei der Arbeit) und es werden jeden Tag Erfolgsmeldungen über Stadien, Strassen, … verbreitet. Aber es gibt auch durchaus kritische Reportagen über Mängel und Misswirtschaft bei WM Projekten.

Lassen wir uns überraschen, es dauert jetzt ja nicht mehr lange.

10.4.10 18:09


Dezember 09: Sommerurlaub Teil 3, von Paarl zurück nach EL

Erste Station auf dem Rückweg war Montagu. Wie schon im April waren wir wieder in „deBos“, einer sehr schönen Guestfarm, die von einem Südafrikaner und seiner Schweizer Frau betrieben wird.

Hier haben wir uns mit Ralf und Kaja getroffen, die zum Klettern hergekommen waren. Beide kennen wir aus dem Alpenverein in Karlsruhe und sie leben seit nun schon mehr als 4 Jahren in Johannesburg. Mit ihnen haben wir dann am Heiligen Abend gemütlich gebraait.

Am 25.12. gab`s dann unsere größte Wanderung dieses Urlaubs, etwas über 16 km und 1.000 Höhnmeter bei sehr viel Sonne. Zunächst durch eine enge Schlucht mit Bäumen und tollen Felsformationen und später dann mit immer schöneren Weitblicken (und ohne Schatten) hinauf auf einen kleinen Gipfel.

Dann ging es nach Oudtshoorn, bekannt als Zentrum der Straußenzucht in SA. Dass es dort auch schöne Berge gibt ist einem oft gar nicht so bewusst, obwohl es die „Attraktionen“ Swartberg-Pass und Kango Caves je eigentlich nahe legen.

Nach einer Nacht in einem sehr schönen Mountain Ressort (auch dort eine kleine Wanderung direkt vom Zelt aus und schwimmen im richtig großen Pool) trafen wir uns dann mit 3 anderen Paaren aus East London um ein wenig 4x4 Trails zu fahren.

Wir kannten nur Tracy und Anthony und die beiden hatten uns eingeladen an der Ausfahrt des Land Rover Clubs mitzufahren, da kurzfristig ein Paar abgesagt hatte. Ein wenig Bedenken hatten wir ja schon, ob wir das packen und da ich ja leider das Auto 2 bis 3 mal im Jahr tauschen muss, wollte ich mir auch nicht zu viele Kratzer reinfahren.

Die Zufahrt zu dem Bushcamp war dann allerdings nicht weiter schwierig. Zwar durchaus 4x4 Strecke, aber ich musste nur an wenigen Stellen kurzzeitig den low range benutzen

Das Camp war absolut genial. Herrlich auf einer Kuppe gelegen. Für 2 Paare war Platz in einer Höhle, die teilweise durch etwas Mauerwerk geschlossen war. Die andern beiden Paare haben in südafrikanischer Manier gezeltet, d.h. vom Feldbett mit richtigen Bettdecken über die gasbeheizte Warmwasserdusche am Auto bis zum Klappregal war alles dabei. Und natürlich reicht nicht eine normale Kühlbox, nein, man hat auch noch eine richtige Gefrierbox dabei (schafft bis minus 18 Grad) die an der 2ten Batterie hängt.

Abends dann natürlich Braai und ein großes Lagerfeuer, da es hier auf 1.000 Meter und sternenklarem Himmel doch schon recht kalt war.

Am nächsten Tag gabs dann „endlich“ mal etwas anspruchsvollere Piste und ich habe es zum ersten Mal geschafft, dass beim Pajero der Warnton für Fahren im Grenzbereich angeht. Hat uns erst mal einen Riesen Schrecken eingejagt, wir dachten natürlich, da ist was kaputt. Für die ca. 15 km Runde haben wir gute 3 Stunden Fahrzeit benötigt. Bei der Wanderung am Nachmittag haben wir dann in der gleichen Zeit nicht viel weniger zu Fuß geschafft.

Gemeinsam mit anderen ging es dann nach 170 schönen Kilometern auf gut zu fahrenden back roads (nicht asphaltiert) in die Burchell Conservency Area. Dieses riesige Gebiet gehört einem wirklich faszinierenden Menschen: Katot Meyer, bekannt als „the man who has no shoes“. Weißgraue Haare, ein ebensolcher riesiger Bart, immer einen ironischen Spruch auf den Lippen und er trägt NIE Schuhe.

Katot ist ein echtes Orginal und er versucht in Zusammenarbeit mit Cape Nature und einigen Biologen in seinem und den umliegenden Gebieten die ursprüngliche Fauna und Flora wiederherzustellen. Nebenbei hat er viele Mountenbikerouten erschlossen und ist selber jede Menge MTB Langsteckenrennen gefahren (immer barfuss !!!). Außerdem hat er die alten Ochsenkarrenwege auf seinem Gebiet zu 4x4 Routen gemacht, die er in seinem uralten Landrover Defender auch regelmäßig selber befährt.

Der erste Anstieg im Schritttempo auf supersteiler Piste mit viel losem Geröll fordert den Pajero gleich mal richtig und der Warnton bleibt richtig lange an und erhöht den Stressfaktor. Richtig spannend ist dann ein kurzes Steilstück abwärts auf der anderen Seite. Zentimeter für Zentimeter „guiden“ Anthony und Rainer uns alle runter. Auf diesem Stück habe ich eigentlich nur auf die beiden geschaut und mich voll auf ihre Anweisungen verlassen.

Im Tal unten geht es dann mal vergleichsweise flott voran (bis zu 10 km/h) bis wir zu einem Wasserloch kommen, was eigentlich gar nicht so schlimm aussieht. Es stellt sich aber schnell raus, dass es so kurz und dabei gleichzeitig tief ist, dass die Autos quasi vorn und hinten gerade so durchpassen.

Rainer (er ist übrigens 71 Jahre alt !!) verliert hinten seine Triffstufe (ist aber nur aus Plastik und kann wieder angeklipst werden), Nick bleibt ganz stecken, da er mit seiner Anhängerkupplung hängen bleibt und wird von Rainer rausgezogen, ich selber verbiege ein wenig meine Plasti-Heckschürze und am besten (weil langsamsten) kommt Anthony durch.

Dann wieder einen übel steilen Hang (mit guiden und viel Pajero Piepsen) hoch, nicht ganz so steil wieder runter und eine kleine Bachüberquerung. Leider sah sie harmloser aus als sie ist und Anthony fährt sich so richtig fest. Ein grosser Stein klemmt sich so unter den Auspuff, dass er weder vor noch zurück kann.

Es dauert mehr als 1,5 Stunden mit Gebuddel, Auto aufbocken und Steine mit Abschleppseil rauszerren bis wir ihn wieder flott haben.

Nur ein paar hundert Meter vor dem Bushcamp dann noch ein echter Hammer. Die Batterie von Rainers Auto explodiert mit lautem Knall. Unglaublich ! Zum Glück sind Rainer und Nick halbe Automechaniker und haben auch genug Werkzeug und eine 2te Batterie dabei.

Als Ursache finden sie, dass der Startermotor sich gelöst hat (alle 3 Schrauben weg) und einen Kurzschluss verursacht hat. Es gelingt ihnen tatsächlich nach knapp 1,5 Stunden das Auto wieder ans laufen zu kriegen.

Inzwischen ist es stockedunkel und ganz vorsichtig fahren wir die letzten Meter ins Bush Camp. Dies besteht eigentlich nur aus ein paar wenigen halbwegs flache offene Stellen zwischen den Bäumen. Es reicht aber um die 4 Zelte aufzustellen. Leider sind wir alle zu kaputt und müde um noch ein schönes Campfeuer zu machen und gehen alle bald schlafen.

Am nächsten Morgen begutachte ich schon mal zu Fuß die angeblich leichte Escape Route. Sie sieht tatsächlich vergleichsweise harmlos aus. Als ich nach knapp 2 Stunden wieder zurückkomme schlafen noch immer alle.

Nach einem ausgiebigen und gemütlichen Frühstuck verabschieden Andrea und ich uns von den anderen, die noch eine Nacht bleiben und dann über die zweite Hälfte der 4x4 Runde rausfahren werden. Wir wollen aber am 30sten abends zu Hause sein, um am 31sten die Scheibe in EL eingebaut zu bekommen.

Daheim erfahren wir dann, dass die anderen sich dann auch für die Escape Route entschieden haben, weil Ihnen die andere Strecke zu riskant erschien.

Noch vor 3 Tagen hätten wir die Escape Route als stressig und anspruchsvoll bezeichnet. Im Vergleich zum Vortag ist sie aber wirklich einfacher.

Trotzdem brauchen wir mit dem Auto länger als ich morgens zu Fuß. Andrea zeigt, dass sie einiges gelernt hat und guided mich gut durch ein paar Engstellen. Und einmal müssen wir 2 kleine Steinrampen über einen spitzen Baumstumpf bauen.

Wir sind froh ohne Schäden wieder auf der Staubstrasse des Prinz Alfred Passes zu sein. Die restlichen 570 km nach EL sind eine reine (zügige) Spazierfahrt, wenn auch ein wenig laut, wg. der knatternden Folie an dem kaputten Fenster.

Es waren 2,5 sehr abwechslungsreiche Wochen und wir haben wieder mal sehr viele superschöne Ecken abseits der in Reiseführern beschriebenen Highlights gefunden. Die 3.500 km waren auf viele kleine Strecken verteilt, aber immer nur so kurz an einem Platz zu bleiben ist doch durchaus auch anstrengend. Somit haben wir es dann noch genossen 5 ruhige Tage hier in EL zu haben.

Bei der Arbeit ging es ja dann gleich sehr stressig für mich los. Ich musste schon am 2ten Arbeitstag zu einem Lieferanten nach Johannesburg fliegen. Und im ersten Quartal haben wir schon 6 Samstage eingeplant und die Schichten werden auch verlängert um die Tagesausbringung von 200 auf 220 Autos pro Tag erhöhen zu können.

 

20.1.10 21:08


Dez 09: Sommerurlaub, Teil 2, 24 Stunden in Kapstadt

Nach einer kleinen Morgenwanderung durch tolle Wildblumenhänge auf der Farm bei Elin ging es dann über Hermanus weiter nach Kapstadt.

Das Lighthouse Backpackers liegt nicht weit von der N2 ca. 12 km von der Innenstadt in einem „Eco-Park-Komplex“. In diesem Eco Park gibt es 20 kleine Betriebe und soziale Projekte vom Ponyreiten für (schwarze) Kinder, über ökologischen Anbau bis hin zu einem Freibad und 2 Backpackers.

Von dort waren es dann noch ca. 10 Minuten mit dem Auto zur Waterfront, wo wir dann noch ein wenig gebummelt sind und dann in einem Restaurant am Hafen dem Trubel und den vielen rein und rausfahrenden Booten zugeschaut haben.

Am nächsten Morgen wurden wir dann um kurz vor 6 durch das Klopfen des Nachtwächters an unsere Fensterscheibe geweckt. In der Nacht hatten ein paar Jugendliche die kleine hintere Scheibe an unserem Pajero (der direkt vor unserem Fenster stand) mit einem dicken Ziegelstein zertrümmert und einige Sachen  aus dem Auto geholt.

Der Wächter konnte sie zwar vertreiben und unsere Schuhe noch retten, aber eine große Plastikbox mit diversem Campingkleinkram, das eine Zelt, die Campingklappstühle und der große Wanderrucksack waren weg. Und alles war voll mit kleinen Glasssplittern und einigen Blutspuren.

Mit dem Chef des Wachdienstes bin ich dann zur Polizei, während Andrea das Auto sauber gemacht hat. Auf der Polizeiwache dann die große Überraschung: ein Teil der gestohlenen Dinge lag dort hinter dem Schreibtisch des Beamten, der den Fall dann aufgenommen hat. Es hat fast eine Stunde gedauert, bis der handschriftlich auf 3 Seiten alles genau aufgeschrieben hatte.

Die Täter waren direkt zum lokalen Hehler gegangen und dieser hat dann die Polizei informiert. Einer der 3 Jugendlichen, der bei der Tat dabei war, hat wohl mehr Zeit seines Lebens im Gefängnis verbracht als draußen und fühlt sich dort wesentlich wohler als in „Freiheit“. Er war erst vor wenigen Tagen wg. Weihnachten mal wieder rausgelassen worden.

Nach der Protokollaufnahme musste dann ein anderer Beamter wiederum handschriftlich und schön langsam genau auflisten, welche unserer Sachen er uns wieder zurückgibt.
Ich kam mir zum Teil vor wie bei Loriot. Obwohl die Teile gut sichtbar hinter ihm lagen, wollte er von jedem Teil eine genaue Beschreibung von mir.
Auf die Frage, ob die billigen knallorangen Campingklappstühle weitere Identifikationsmerkmale haben fiel mir nicht viel ein. Und auch die Farbdefinition der großen Akku Campingleuchte war nicht so einfach: ist sie eher grau blau oder mausgrau oder vielleicht doch eher ein wenig mehr marinblau ?
Die Frage wie viele verschiedene Campingstühle und –lampen heute denn schon sichergestellt wurden habe ich mir lieber verkniffen.

Nachdem das dann nach ca. einer halben Stunde erfolgreich abgearbeitet war, wurde der Kollege von der Spurensicherung gesucht. Als der dann aber erst mal nicht auffindbar war (er war wohl zur Apotheke gegangen) und es hieß, dass diese Kollegen sehr beschäftigt sind und es dauern könnte, wurde es mir dann doch zu dumm.
Mit der Ausrede, dass wir zu Weihnachten wieder in EL sein müssen bin ich gegangen. Es ist mir völlig rätselhaft, wieso die Fingerabdrücke nehmen wollten, wenn sie die Täter und vor allem genug gestohlene Beweisstücke eh schon hatten. Das Auto selber hat sich übrigens keiner der Polizisten angeschaut.

Fazit dieser Polizeiwache: sehr viele Beamte, alle recht freundlich, kaum Computer, alles sehr sehr sehr langsam und ohne sehr gutes Englisch hätte ich grosse Probleme gehabt das Protokoll zustande zu kriegen.
Aber die Case Nummer (braucht man unbedingt für die Versicherung) kam schon wenige Minuten nach der mühsamen handschriftlichen Fallaufnahme.per SMS.

Ich bin gespannt, ob wir wirklich zum Gerichtsprozess nach Kapstadt eingeladen werden. Es wurde mir sehr ans Herz gelegt dann auf jeden Fall zu kommen, damit es zu einer Verurteilung der Täter kommen kann.

Und dann ging es los mit der Suche nach einer neuen Scheibe. Leider erfolglos. Nach Duzenden von Telefonaten und einer halbstündigen Fahrt zu einem Autoglas Betrieb (lt. Computer war ein Glas auf Lager, in Realität aber leider nicht) haben wir es dann aufgegeben und uns eine Plastikfolie aufkleben lassen.

Damit wollten wir dann aber nicht mehr in Kapstadt bleiben und sind somit nach gerade mal 24 Std. wieder raus aus der Stadt und in „sicherere“ ländliche Regionen „geflüchtet“. In Paarl (im Zentrum der berühmten Weingegend) nicht weit von Kapstadt haben wir nach ein paar Telefonaten ein recht nettes kleines B+B gefunden.

2 Tage später rief der zuständige Polizist dann bei mir auf dem Handy an um mir mitzuteilen, dass sie auch noch ein paar Zeltleinen sichergestellt haben und ob wir die nicht abholen wollten. Wohl vermutlich eher nicht.

Und gerade gestern, Mitte Januar, kam eine weitere SMS, dass der Täter verurteilt wurde, und der Fall geschlossen ist.
16.1.10 21:15


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